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Ratgeber zum Thema: Schadenersatz

Nachweis Haushaltsführungsschaden
Verspäteter Eintritt ins Erwerbsleben
Berechnung des Verdienstausfallschadens bei Selbständigen
Ersparte Eigenaufwendungen
Erwerbsschaden – Überstunden
Pflege durch nahe Angehörige
Berücksichtigung von Vorerkrankungen
HWS-Syndrom
Schmerzensgeld bei Schockschäden
Nutzungsausfall
Sturz eines Fünfjährigen
Verdienstausfall eines Selbständigen
Mehrkosten für Wohnbedarf bei Schwerbehinderung
Schmerzensgeld in Todesfällen
Starker Ast sürzt auf PKW
Sturz im Möbelhaus
Verhalten auf Skipisten
Verdienstausfall bei Berufsanfänger
Vermehrte Bedürfnisse
Kapitalabfindung
Anwalts- und Verfahrenskosten
Private Unfallversicherung
Sturz auf der Treppe
Baumschaden
Sportunfall
Schnee- und Glatteisunfälle
Unfallneurose
Kinderbetreuungskosten
Hygiene im Krankenhaus
Schmerzensgeld nach Fehler bei OP
Verkehrsunfall im Ausland
Vollkasko
Mietwagen oder Ersatz Nutzungsausfall
Ansprüche Dritter bei Tötung
Geldrente
Schmerzensgeld


Nachweis Haushaltsführungsschaden

Frage:
Sie hatten über den Haushaltsführungsschaden informiert. Die gegnerische Versicherung bestreitet, dass bei mir ein Haushaltsführungsschaden angefallen ist. Wie lässt sich der Haushaltführungsschaden nachweisen?

Antwort:
In der Praxis wird regelmäßig mit Tabellen und Erfahrungswerten gearbeitet, um den Haushaltsführungsschaden (Einschränkungen beim Essenkochen, Wäschewaschen, Einkaufen etc.) zu beziffern. Bestreitet die Gegenseite die Höhe des Haushaltsführungsschadens, ist konkret vorzutragen, wer im Haushalt vor dem Unfallereignis in welchem Umfang für Essenkochen, Einkaufen, Wäschewaschen, Putzen, Kinderbetreuung, Gartenarbeit etc. zuständig war und in welchem Umfang unfallbedingt ein Ausfall besteht. Hier ist es erforderlich, über einen gewissen Zeitraum die Abläufe aufzuschreiben, um die Art der Tätigkeit und den Zeitumfang belegen zu können.
Ich habe dafür spezielle Fragebögen entwickelt, um den Nachweis zu erleichtern.
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Verspäteter Eintritt ins Erwerbsleben

Frage:
Ich bin Medizinstudent. Durch einen Verkehrsunfall habe ich ein HWS-Syndrom zweiten Grades erlitten. Dadurch war es mir nicht möglich, in diesem Semester mein Physikum zu absolvieren. Ich muss dies im Folgesemester nachholen und werde dadurch um ein Semester verspätet mit dem Studium fertig. Welche Ansprüche stehen mir zu?

Antwort:
Ihr Schaden besteht in dem verspäteten Eintritt in das Berufsleben. Daraus können Nachteile bei der Karriereplanung und beim Verdienst resultieren. Bei Ihnen ist zunächst als Schaden der um sechs Monate verspätete geplante Beginn Ihrer Tätigkeit als Assistenzarzt anzunehmen und damit ein entsprechender Nettoverdienstausfall von sechs Monaten. Künftig kommt ein etwaiger Minderverdienst in Folge verspäteter Einkommenssteigerungen sowie eine etwaige Verkürzung Ihrer Altersrente aus Anlass des verspäteten Beginns Ihrer Beitragszahlungen in Betracht. Hier sind im Einzellfall schwierige Berechnungen anzustellen, die in der Regel nicht ohne Hilfe eines Gutachtens möglich sind.
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Berechnung des Verdienstausfallschadens bei Selbständigen

Frage:
Ich bin selbständiger Versicherungskaufmann. Durch einen fremdverschul-deten Unfall kam ich zu Sturz und bin in den nächsten drei Monaten arbeitsunfähig. Mir drohen erhebliche Umsatzeinbußen und Gewinnminde-rungen. Welche Ansprüche stehen mir zu?

Antwort:
Die Berechnung des Verdienstausfallschadens ist bei Selbständigen wesentlich aufwändiger als bei Angestellten. Die Schadenbezifferung setzt den Nachweis konkret entgangener Geschäfte oder eine konkrete Gewinn-minderung voraus. Pauschale Angaben genügen in der Regel nicht.
Alternativ sollte geprüft werden, ob der Ausfall durch die Einstellung einer Aushilfskraft aufgefangen werden kann. Die dadurch verursachten Kosten stellen einen leicht zu bestimmenden und vom Schädiger zu ersetzenden Schaden dar. Sollte es bei Einstellung einer Ersatzkraft gleichwohl zu nachweisbaren Gewinneinbußen kommen, können diese zusätzlich geltend gemacht werden.
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Ersparte Eigenaufwendungen

Frage:
Durch einen Verkehrsunfall war ich 6 Monate lang arbeitsunfähig. Die gegnerische Haftpflichtversicherung hat den Schaden im wesentlichen regu-liert. Sie will jedoch 10 % meines Nettoeinkommens als ersparte Aufwendungen abziehen. Ist dies rechtens?

Antwort:
Es ist grundsätzlich richtig, dass ersparte Aufwendungen, z. B. dafür, dass Sie Ihrer beruflichen Tätigkeit nicht nachgehen mussten, zu berücksichtigen sind. Typisch sind hierfür ersparte Aufwendungen für die Fahrt zur Arbeit und/oder ersparte Kosten für die Reinigung von Arbeitskleidung. In der Praxis wird dies häufig pauschal abgerechnet, wobei überwiegend von 5 % (und nicht 10 %) des Nettoeinkommens ausgegangen wird. Sollten bei Ihnen in Wirklichkeit die ersparten Aufwendungen noch geringer sein, empfehle ich Ihnen, z. B. die ersparten Kilometer zum Arbeitsplatz und wieder zurück aufzuführen und somit den Schaden tatsächlich zu ermitteln, der gegnerischen Versicherung entgegen zu halten und Ihren vollen Schaden einzufordern.
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Erwerbsschaden – Überstunden

Frage:
Nach einem ärztlichen Behandlungsfehler war ich vier Wochen arbeitsunfähig. Von meinem Arbeitgeber habe ich meinen monatlichen Lohn erhalten, aber nicht meine übliche Überstundenvergütung, da ich ja keine Überstunden ableisten konnte. Kann ich diesen Ausfall vom Schädiger verlangen?

Antwort:
Als Geschädigter erhalten Sie grundsätzlich diejenige Vergütung als Schadensersatz, die Sie bezogen hätten, wenn Sie nicht arbeitsunfähig erkrankt wären. Wenn Sie ohne Ihren Arbeitsausfall normalerweise Überstunden geleistet hätten, können Sie Zahlung vom Schädiger einfordern, da Ihr Arbeitgeber nicht verpflichtet ist, Lohn für nicht erbrachte Überstun-den zu zahlen. Der Schädiger hat Ihnen deshalb den Ausfall hinsichtlich der Überstunden zu ersetzen.
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Pflege durch nahe Angehörige

Frage:
Nach einem ärztlichen Behandlungsfehler ist mein Vater auf Hilfe beim Anziehen, Essen zubereiten, etc. angewiesen. Der Pflegeaufwand, den ich übernommen habe, beträgt täglich ca. drei Stunden. Ist dieser Aufwand zu erset-zen oder müssen wir eine professionelle Pflegekraft anstellen?

Antwort:
Ihr Pflegeaufwand ist Ihnen zu ersetzen. Dem steht nicht entgegen, dass die Pflegeleistungen nicht von einer professionellen Pflegekraft erbracht werden. Erfolgt die Pflege in der Familie kostenlos, kommt dies dem Schädiger nicht zugute. Die von dem nahen Angehörigen des Geschädigten erbrachte zusätzliche Mühe ist vom Schädiger angemessen auszugleichen.
Der anzusetzende Stundensatz richtet sich nach Art und Umfang des Pflegeaufwandes. Für Tätigkeiten, die eine Hauswirtschafterin erbringen kann, ist von einem Stundensatz von ca. 6,00 € bis 8,00 € auszugehen. Bei intensiver Pflege kommt ein Stundensatz von ca. 9,00 € bis 12,00 € in Betracht, wobei es insoweit regionale Unterschiede gibt.
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Berücksichtigung von Vorerkrankungen

Frage:
Meine rund 78-jährige Mutter ist Opfer eines verhältnismäßig leichten Auffahrunfalls geworden. Gleichwohl erlitt sie komplizierte Frakturen von Wirbelkörpern. Vor dem Unfall litt sie bereits an Osteoporose (wegen Kalkmangel brechen die Knochen sehr leicht). Bis zum Unfall hatte sie jedoch keine körperlichen Beeinträchtigungen. Seit dem Unfall ist sie auf fremde Hilfe und einen Rollstuhl angewiesen. Die Versicherung wendet nun ein, Ursache seien die Vorerkrankungen.

Antwort:
Diese Argumentation ist bereits vom Grundsatz her verfehlt. Denn für die Haftung reicht es aus, dass sich das Unfallgeschehen mitursächlich auf den Schaden ausgewirkt hat. Da Ihre Mutter vor dem Unfall beschwerdefrei war und das Risiko, durch einen verhältnismäßig geringfügigen Unfallhergang einen weitreichenden Personenschaden zu verursachen, allein der Schädiger trägt, hat der Unfallverursacher Ihrer Mutter den gesamten Schaden zu erset-zen, der durch den Unfall entstanden ist.
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HWS-Syndrom

Frage:
Ich habe einen Unfall erlitten. Kurze Zeit nach dem Unfall bekam ich starke Nacken- und Kopfschmerzen sowie Schwindelanfälle. Mein Hausarzt hat mich für sechs Wochen krank geschrieben und ich musste eine Halskrause tragen. Die Gegenseite will 400,00 € Schmerzensgeld zahlen? Ist das angemessen?

Antwort:
Der am häufigsten vorkommende Personenschaden ist das so genannte HWS-Syndrom, auch Schleudertrauma genannt. Ursache des mit erheblichen Nacken- und Kopfschmerzen verbundenen Krankheitsbildes ist eine Überdehnung der Halswirbelsäule als Folge einer anstoßbedingten Geschwindigkeitsänderung im Fahrzeug des Geschädigten. Zur Höhe des Schmerzensgeldes gibt es zahllose Entscheidungen. In der Rechtsprechung hat sich mittlerweile ein Schmerzensgeld in Höhe von 250,00 € für jede Woche herausgebildet, in der 100 prozentige MdE (Minderung der Erwerbsfähigkeit) vorliegt. Ihnen dürften daher 1.500,00 € Schmerzensgeld zustehen.
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Schmerzensgeld bei Schockschäden

Frage:
Unser Sohn wurde bei einem Verkehrsunfall tödlich verletzt. Meine Frau erlitt bei der Überbringung der Todesnachricht einen schweren Schock. Sie ist seitdem latent suizidgefährdet. Sie musste ihren Beruf aufgeben und befindet sich seit dem Unfalltod unseres Sohnes in psychiatrischer Behandlung. Kommen Schadensersatzansprüche in Betracht?

Antwort:
Grundsätzlich hat nur der unmittelbar Geschädigte einen Anspruch auf Schadensersatz. Bei einem Schockschaden kommt jedoch eine Ausnahme in Betracht. Schockschäden begründen Schadensersatzansprüche, wenn die verursachten Beeinträchtigungen das Maß überschreiten, dass „üblicherweise“ bei Mitteilungen über derartige Schicksalsschläge eintritt. Bewegen sich Trauer und Schmerz nicht mehr im üblichen Rahmen und sind sie pa-thologisch fassbar, ist vom Schadensverursacher vollumfänglich Schadensersatz zu zahlen. Voraussetzung ist ein entsprechender Nachweis durch eine ärztliche Bescheinigung oder Begutachtung. Ihrer Ehefrau wird also Schmerzensgeld, Verdienstausfall, Haushaltsführungsschaden etc. zustehen.
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Nutzungsausfall

Frage:
Mein Auto wurde beschädigt und muss repariert werden. Steht mir Nutzungsausfall zu? In welcher Höhe?

Antwort:
Für die Zeit, in der Sie Ihr Auto nicht nutzen können und auf einen Mietwagen verzichten, steht Ihnen Nutzungsausfall zu:
• Ihr Auto darf unfallbedingt nicht nutzbar sein.
• Sie müssen Ihr Fahrzeug unverzüglich zur Reparatur geben oder ein Ersatzfahrzeug anschaffen. Haben Sie dafür kein Geld und erhalten Sie auch keinen Kredit, so müssen Sie dies der gegnerischen Haftpflichtversicherung mitteilen. Zahlt Ihnen diese keinen Vorschuss, steht Ihnen Nutzungsausfall bis zur tatsächlichen Regulierung zu, auch wenn dies mehrere Monate dauert und mehrere tausend Euro ausmacht.
• Wenn Sie verletzungsbedingt nicht in der Lage sind Ihr Auto zu fahren, erhalten Sie nur Nutzungsausfall, wenn Ihr Auto durch einen Familienangehörigen genutzt worden wäre.
• Die Höhe Ihrer Entschädigung richtet sich nach Ihrem Fahrzeugtyp: Für Kleinwagen gibt es z. B. 27,00 €/Tag, für Luxuslimousinen 99,00 €/Tag.
• Nutzungsausfall erhalten Sie für die gesamte Dauer des Ausfalls. Dieser Zeitraum wird oft falsch berechnet. Wenn im Gutachten der Reparaturzeitraum mit 7 Tagen angegeben ist, ist dies nicht zugleich die Ausfallzeit. Der Zeitraum vom Unfalldatum bis zur Begutachtung und etwaige Sonn- und Feiertage sind hinzuzunehmen.

Die genaue Höhe Ihres Anspruches hängt also von der Klärung vorgenannter Punkte ab.
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Sturz eines Fünfjährigen

Frage:
Uns hat ein schwerer Schicksalsschlag ereilt. Unser fünfjähriger Sohn „büxte“ von unserem Gartengrundstück aus, lief zu einem nahe gelegenen Betriebsgelände und stieg dort auf einen Brückenkran. Er stürzte und ist seitdem querschnittsgelähmt. Können wir Schadensersatz fordern?

Antwort:
Bei Unfällen, an denen Kinder beteiligt sind, lässt sich ein pauschale Antwort nicht geben. Es kommt immer auf die Umstände des Einzelfalles an.
• Wer ein Betriebsgelände unterhält, muss nach der Rechtsprechung mit dem Eindringen von Kindern rechnen. Das Gelände ist daher vollständig zu umzäunen, Tore und gefährliche Anlagen wie der Baukran sind zu sichern. Da dies hier unterlassen wurde, lag eine Pflichtverletzung des Inhabers des Betriebes vor.
• Weiter ist die Reife und Einsichtsfähigkeit des Kindes maßgeblich. Ein 5-jähriger Junge ist wohl eher nicht in der Lage, die Gefahren einzuschätzen, wenn er die Treppe eines Baukrans hinauf steigt.
• Auch ist die Aufsichtspflicht der Eltern zu berücksichtigen. Allerdings kann man von Eltern nicht verlangen, immer und überall das Kind im Auge zu behalten. Verlässt ein 5-jähriger Junge deshalb das elterliche Gartengrundstück und wird dies später bemerkt, liegt in der Regel keine Aufsichtspflichtverletzung vor.

In Ihrem Fall würde ich eine Schadenersatzpflicht des Firmeninhabers bejahen, sodass Ihnen bzw. Ihrem Kind sämtlicher entstandener Schaden einschließlich Schmerzensgeld zu ersetzen ist.
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Verdienstausfall eines Selbständigen

Frage:
Unfallbedingt war ich mehrere Wochen arbeitsunfähig. Der Verursacher will mir jedoch keinen Verdienstausfall ersetzten, da ich selbständig bin. Ich soll beweisen, dass ich einen Einnahmeausfall hatte.

Antwort:
Wenn ein Gewerbetreibender oder Freiberufler arbeitsunfähig, darf er den Schaden nicht nach dem Gehalt für eine gleichwertige, tatsächlich nicht eingestellte Ersatzkraft bemessen. Vielmehr muss er beweisen, dass er unfallbedingt Gewinneinbußen hatte.

Hiervon gibt es jedoch eine wichtige Ausnahme: Ist der Gesellschafter/Geschäftsführer einer GmbH verletzt, hat er einen Schadenersatzanspruch in Höhe seines Bruttogehaltes. Dies gilt auch dann, wenn er der alleinige Gesellschafter seiner GmbH ist. Sind Sie also Geschäftsführer und Gesellschafter einer GmbH hat Ihnen der Unfallverursacher Ihr Bruttogehalt zu ersetzen, ohne dass Sie einen konkreten Gewinnausfall beweisen müssten.
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Mehrkosten für Wohnbedarf bei Schwerbehinderung

Frage:
Unser Kind ist durch einen ärztlichen Fehler behindert zur Welt gekommen. Wir benötigen deshalb nunmehr eine größere Wohnung mit behindertengerechter Ausstattung. Auch überlegen wir, uns ein Haus zu kaufen. Welche Kosten werden uns erstattet?

Antwort:
Es werden Ihnen die erhöhten Wohnkosten erstattet, die durch die Behinderung erforderlich sind. Das können sein:

• Höhere Wohnungsmiete, nach erforderlichem Umzug
• Bauliche Veränderungen, z. B. für ein behindertengerechtes Bad, WC, einen Lift, Stütz- und Haltvorrichtungen, angepasste Küchenmöbel, evtl. für einen Therapieraum oder einen Raum für eine Pflegekraft
• Mehrkosten für die Errichtung einer behindertengerechten Wohnung oder eines Hauses
• Ist bereits ein Haus vorhanden und muss ein schwerbehindertes Kind im vorhandenen Eigenheim mehr Fläche nutzen, besteht ein Anspruch auf Kapitalabfindung

Entscheidend ist also immer, ob der Ausstattungsmehrbedarf und der flächenmäßige Mehrbedarf erforderlich sind. Wenn ja, sind Ihnen die anfallenden Kosten zu ersetzen.
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Schmerzensgeld in Todesfällen

Frage:
Meine Frau verunglückte bei einem Verkehrsunfall und verstarb trotz Notoperation am Tag nach dem Unfall. Besteht ein Anspruch auf Schmerzensgeld?

Antwort:
Ein Schmerzensgeld kommt auch in Todesfällen in Betracht. Es ist nicht deshalb geringer, weil es nicht dem Verletzten, sondern seinen Erben zugute kommt. Maßgeblich ist die tatsächliche Lebensdauer des Verletzten und die erlittenen Schmerzen. Hier einige Beispiele:

• 200.000,00 € für Schmerzen bei schwersten Verletzungen und tiefer Bewusstlosigkeit, Tod nach drei Jahren
• 70.000,00 € bei Tod nach fünf Wochen Koma nach Verabreichung einer Injektion (Behandlungsfehler)
• 20.000,00 € bei brutalen Misshandlungen mit Tod nach 36 Stunden.
• 5.000,00 € bei Tod eines Säuglings drei Tage nach der Geburt (Behandlungsfehler)
• 2.500,00 € bei lebensgefährlichen Verletzungen einer Frau, die ca. eine Stunde nach dem Unfall verstarb ohne das Bewusstsein zuvor wiedererlangt zu haben.

In Ihrem Fall dürften deshalb ca. 5.000,00 € Schmerzensgeld gerechtfertigt sein.
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Starker Ast stürzt auf PKW

Frage:
Ein starker Ast einer Trauerweide stürzte auf meinen PKW. Bekomme ich meinen Schaden ersetzt?

Antwort:
Das hängt davon ab, ob der Grundstückseigentümer seine Verkehrssicherungspflicht verletzt hat. Die Verkehrssicherungspflicht umfasst die Überprüfung des Grundstücks sowie der darauf stehenden Gebäude, Bäume etc. auf mögliche Gefahrenquellen. Bei Bäumen ist in der Regel eine halbjährige Sichtkontrolle durchzuführen. Sind dabei Mängel am Baum feststellbar, muss eine Untersuchung durch Fachleute veranlasst werden. In Ihrem Fall kommt es also darauf an, ob der Grundstückseigentümer
• eine halbjährliche Sichtkontrolle durchgeführt hat
• die Sichtkontrolle ordnungsgemäß war, er also etwaige Schadstellen, wie kranke Astabschnittsstelle, Wundflächen nicht übersehen hat
• und erforderlichenfalls eine fachmännische Überprüfung veranlasst hat.

Hat er diese Pflichten verletzt und wäre dadurch der Unfall vermeidbar gewesen, hat er Ihnen den entstandenen Schaden zu ersetzen.“
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Sturz im Möbelhaus

Frage:
Ich rutschte in einem bekannten Möbelhaus auf einer Gurkenschale aus und zog mir eine Fraktur im linken Handgelenk zu. Stehen mir Schadenersatzansprüche gegen das Möbelhaus zu?

Antwort:
Da ein solcher Sturz in der Praxis nicht selten vorkommt, hat sich eine differenzierte Rechtsprechung herausgebildet:

• Kommt es zu einem Sturz auf Grund Verunreinigung des Bodens, spricht dies grundsätzlich für die Verletzung der sogenannten Verkehrssicherungspflicht des Ladeninhabers. Er muss den Fußboden frei von Gefahren halten.
• Gegen eine Pflichtverletzung kann der Ladeninhaber einwenden, dass er regelmäßig und in kurzen Abständen den Boden reinigen lässt und eine bestimmte Person für derartige Aufgaben einsetzt. Hier trifft den Ladeninhaber die volle Darlegungs- und Beweislast.
• Weiter ist maßgeblich, wo sich der Sturz ereignet hat. Ist mit einer Verunreinigung zu rechnen, z. B. am Obststand, hat der Betroffene erhöhte Aufmerksamkeit zu beachten. Ihn kann daher ein Mitverschulden treffen.

In Ihrem Fall wird es entscheidend darauf ankommen, wo sich der Unfall ereignet hat, und ob der Ladeninhaber die oben beschriebene Reinigung nachweislich durchgeführt und ordnungsgemäß organisiert hat. Hat er dies nicht, hat er Ihnen den entstandenen Schaden zu ersetzen.
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Verhalten auf Skipisten

Der schwere Skiunfall von Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus ist in aller Munde. Damit in Zusammenhang stehen vor allem das Verhalten auf Skipisten und mögliche Folgen.
Dazu ein Interview des Allgemeinen Anzeigers mit Rechtsanwalt Dr. Junge-Ilges vom 21.01.2009:

Frage:
Welche Verhaltensregeln gelten beim Skifahren?

Antwort:
Auf allen Skipisten weltweit gelten die sogenannten FIS-Regeln. Sie sind die „Straßenverkehrsordnung“ der Skipisten. Aufgestellt hat sie die Fédération Internationale de Ski, daher die Kurzform FIS, also der Internationale Skiverband. Die FIS-Regeln gelten im Übrigen auch für Snowboardfahrer.

Frage:
Was besagen denn diese FIS-Regeln?

Antwort:
Die FIS-Regeln besagen, dass der Skifahrer oder Snowboardfahrer kontrolliert fahren muss, d. h. angepasst an sein Können, dem Gelände, der Schneebeschaffenheit, den Witterungsverhältnissen und dem Vorhandensein anderer Personen. Die FIS-Regeln konkretisieren dann teilweise diese allgemeinen Vorgaben.

Frage:
Zum Beispiel?

Antwort:
Nehmen wir Ziffer 4 der FIS-Regeln, Überholen: Danach darf immer nur mit einem Abstand, der dem überholten Skifahrer oder Snowboarder für alle seine Bewegungen genügend Raum lässt, überholt werden. Wird hiergegen verstoßen, haftet der Überholende. Oder Ziffer 6 Anhalten: Danach muss es jeder Skifahrer oder Snowboarder vermeiden, sich ohne Not an engen oder unübersichtlichen Stellen einer Abfahrt aufzuhalten. Ein gestürzter Skifahrer oder Snowboarder muss eine solche Stelle so schnell wie möglich frei machen.

Frage:
Welche Ansprüche kann ein Geschädigter geltend machen?

Antwort:
Das kommt auf die Umstände des Einzelfalles an. Zunächst ist an die materiellen Schäden, z. B. beschädigte Ski oder Skikleidung zu denken. Bei Körperschäden kommen Schmerzensgeld, vermehrte Bedürfnisse, z. B. dann, wenn man auf fremde Hilfe angewiesen ist (Kosten einer Pflegekraft) oder Verdienstausfall in Betracht. Daneben kann strafrechtlich ermittelt werden wegen fahrlässiger Körperverletzung oder, wie bei Herrn Althaus, wegen fahrlässiger Tötung.


Frage:

Und wie ist die Rechtslage bei Dieter Althaus zu beurteilen?

Antwort:
Das lässt sich derzeit nicht seriös beurteilen. Ich denke, zunächst sind die Ermittlungen der österreichischen Ermittlungsbehörden abzuwarten. Von erheblicher Bedeutung dürfte die Frage sein, wie es sein konnte, dass Herr Althaus in entgegengesetzter Richtung auf die Piste von der verstorbenen Frau Beata Christandl fahren konnte. Hinsichtlich der Schadenersatzansprüche der Familie der Verstorbenen ist zu klären, welches Recht Anwendung findet. Österreichisches Recht (Tatortprinzip) oder womöglich US-amerikanisches. Sollte Herr Althaus zu Zahlungen verpflichtet werden, dürften diese durch eine private Haftpflichtversicherung abgesichert sein. Dass wiederum Herr Althaus seinerseits Schadenersatzansprüche geltend macht, glaube ich nicht.
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Verdienstausfall bei Berufsanfänger

Frage:
Bei einem schweren Verkehrsunfall habe ich mir einen komplizierten Oberschenkelbruch zugezogen. Da die Heilung mindestens 10 Montage dauern wird, musste ich meine Ausbildung als Altenpfleger abbrechen und werde diese frühestens in einem Jahr nachholen können. Welcher Schadenersatzanspruch steht mir daraus zu?

Antwort:
Bei Unfällen vor Eintritt in das Berufsleben ist zu schätzen, wie der berufliche Weg des Verletzten nach seinen persönlichen Fähigkeiten und Eigenschaften und den Bedingungen des Arbeitsmarktes voraussichtlich verlaufen wäre. Wird der Eintritt in das Berufsleben durch einen Unfall verzögert, ist der dadurch entstehende Verdienstausfall zu ersetzen.

Da Sie bereits eine Ausbildung als Altenpfleger begonnen hatten und sich die Ausbildung um ein Jahr verzögert, können Sie wiederum den Beruf des Altenpflegers erst ein Jahr später ergreifen. Der Unfallverursacher hat Ihnen deshalb den entstehenden Verdienstausfall als Altenpfleger (Jahreseinkommen) auszugleichen abzgl. etwaiger Leistungen der Sozialträger, z. B. Krankengeld. Daneben stehen Ihnen natürlich noch Schmerzensgeld, Ersatz Ihrer Sachschäden, Ausgleich Ihrer vermehrten Bedürfnisse etc. zu.
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Vermehrte Bedürfnisse

Frage:
Was versteht man unter „vermehrte Bedürfnisse“?

Antwort:
Kommt es bei einem Unfall oder bei einer fehlerhaften ärztlichen Behandlung zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung, hat der Schädiger den Geschädigten „wiederherzustellen“. Der Schädiger soll den Geschädigten möglichst so stellen, wie dieser ohne Schadenereignis stehen würde. Dafür können wegen vermehrter Bedürfnisse erforderlich sein:

  • Kur-/Pflegeaufenthalte
  • Besuche Angehöriger im Krankenhaus
  • Betreuungsaufwand (mobiler Hilfsdienst)
  • Aufwendungen für eine berufliche Rehabilitation (Umschulung)
  • Behindertengerechter Umbau der Wohnung
  • Anschaffung/Umbau eines Kfz
  • Anschaffung medizinischer Hilfsgeräte
  • Kosten einer Haushaltshilfe usw.

Diese anfallenden Kosten hat der Schädiger dem Geschädigten zu ersetzen.
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Kapitalabfindung

Frage:
Nach einem schweren Verkehrsunfall zahlt mir die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers eine monatliche Rente. Habe ich auch die Möglichkeit, „alles auf einmal“ (Kapitalabfindung) zu erhalten?

Antwort:
Der Geschädigte kann bei Vorliegen eines wichtigen Grundes anstatt einer Rente Kapitalabfindung begehren. Ein wichtiger Grund ist gegeben, wenn eine Abfindung einen günstigen Einfluss auf den Zustand des Geschädigten ausüben würde oder wenn er das Geld zum Aufbau einer neuen Existenz verwenden will. In der Praxis wird häufig auch ohne Vorliegen dieser Voraussetzungen eine Kapitalabfindung vereinbart.
Der Berechtigte soll die Einmalzahlung erhalten, die der an sich zu zahlenden Rente entspricht. Dafür ist eine anspruchsvolle Berechnung durchzuführen: Ermittlung der voraussichtlichen Lebenserwartung anhand der einschlägigen Sterbetafel, Berücksichtigung der voraussichtlichen Laufzeit der Rente, richtiger Zinssatz, Änderung des Gesundheitszustandes usw. Um dabei keinen Fehler zu machen, empfehle ich Ihnen, anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
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Anwalts- und Verfahrenskosten

Frage:
Herr Dr. Junge-Ilges, Sie haben bereits zahlreiche aufschlussreiche Beiträge zu Arzthaftung, Amtshaftung und Unfallrecht verfasst. Was würden Sie sagen, was ein Mandant tun kann, damit seine Sache Erfolg hat?

Antwort:
1. Schließen Sie eine Rechtsschutzversicherung ab. Viele, berechtigte Ansprüche können häufig wegen der hohen Verfahrenskosten nicht oder nicht in der erforderlichen Konsequenz durchgesetzt werden.
2. Sichern Sie Beweise: Halten Sie Abreden schriftlich fest, fertigen Sie Fotos, ziehen Sie Zeugen dazu, fertigen Sie Erinnerungsprotokolle. So gelingt es Ihnen leichter, Ihre Ansprüche zu beweisen.
3. Arbeiten Sie Ihrem Rechtsanwalt schriftlich zu. Das erleichtert ihm die Arbeit und zwingt Sie, ihm den Sachverhalt sorgfältig und durchdacht mitzuteilen.
4. Seien Sie nicht zu ängstlich, sondern ausdauernd. Wer im Recht ist, erreicht häufig mehr, wenn er bereit ist, über längere Zeit dafür zu kämpfen trotz nervlicher, zeitlicher und wirtschaftlicher Belastung. Wichtige Ausnahme: Beim Gegner droht Insolvenz.
5. Dennoch: Seien Sie vergleichsbereit. Einen guten Vergleich sollten Sie annehmen, um Zeit, Kosten und Nerven zu sparen.
6. Suchen Sie sich über Mundpropaganda, Internet und Zeitung einen engagierten Rechtsanwalt, der in dem von Ihnen gesuchten Rechtsgebiet kompetent ist.
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Private Unfallversicherung

Frage:
Ich habe eine private Unfallversicherung abgeschlossen. Wann stehen mir daraus Leistungen zu?

Antwort:
Die private Unfallversicherung gewährt Leistungen bei dauerndem oder zeitweiligem Wegfall der Erwerbsfähigkeit durch einen Unfall. So kommen Leistungen bei Stürzen, z. B. von einer Leiter; der Ausübung von Sportarten, z. B. Kreuzbandriss beim Fußball; bei Verkehrsunfällen, beim Versuch, einen aus der Kontrolle geratenen Gegenstand abzufangen, beim Sportkegeln usw. in Betracht. Hier heißt es aufgepasst: In der Praxis wird nicht selten übersehen, dass ein Unfall vorliegt und einen Anspruch begründet! Nach einem Unfall hat der Versicherungsnehmer unverzüglich einen Arzt hinzuzuziehen und seine Versicherung zu unterrichten, ansonsten gefährdet er seinen Versicherungsschutz. Welche Leistungen die Unfallversicherung zu erbringen hat, hängt vom Versicherungsvertrag ab. Bei dauernder Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit hat die Versicherung die vereinbarte Versicherungssumme zu zahlen. So habe ich gerade eine Zahlung von über 240.000,00 EUR geltend gemacht, nachdem das Thüringer Oberlandesgericht Jena in entsprechender Höhe zugunsten meiner Mandantin die Versicherung zur Zahlung verurteilt hat.
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Sturz auf der Treppe

Frage:
Meine Frau stürzte in einer Gaststätte auf der Treppe und verletzte sich schwer. Grund war, dass der Handlauf nicht bis zur letzten Stufe ging und sich meine Frau deshalb nicht abstützen konnte. Stehen ihr Schadenersatz und Schmerzensgeld zu.

Antwort:
Treppenstürze gehören mit zu den häufigsten Unfällen innerhalb eines Gebäudes. Sie können zu erheblichen Verletzungen führen.
Die Thüringer Bauordnung sieht vor, dass eine Treppe verkehrssicher sein muss. Jede Treppe muss mindestens einen festen und griffsicheren Handlauf haben. Bei breiten Treppen sind Handläufe auf beiden Seiten und Zwischenhandläufe vorzusehen.
Diesen Anforderungen genügt eine Treppe nicht, wenn der Handlauf zu kurz ist. Nur wenn der Handlauf von der ersten bis zur letzten Stufe reicht, ist Verkehrssicherheit im Sinne der Thüringer Bauordnung gegeben. Sie können deshalb Schadenersatz und Schmerzensgeld geltend machen.
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Baumschaden

Frage:
Meine Gemeinde fällte bei Straßenarbeiten ohne meine Erlaubnis meine 20 Jahre alte Birke. Kann ich Schadenersatz verlangen? In welcher Höhe?

Antwort:
Da die Gemeinde unerlaubt Ihre Birke gefällt hat, wäre sie an sich verpflichtet, eine neue, gleich alte und gleich große Birke zu pflanzen. Da Kosten und Aufwand regel-mäßig außer Verhältnis stehen, hat die Gemeinde Ihnen die Kosten für die Neuan-pflanzung einer jungen Birke zu zahlen und Ihnen Ihre weiteren Nachteile auszugleichen. Der Ersatzbetrag setzt sich aus den Kosten einer Teilwiederherstellung (Anschaffungs- und Pflanzkosten einer jüngeren Birke zzgl. Anwachspflege und Zuschlag für das Anwachsrisiko) sowie einer Geldentschädigung für den geringeren Wert der Jungpflanze im Verhältnis zu Ihrer alten Birke zusammen. So können sich nach der Rechtsprechung erhebliche Beträge ergeben: 6.000,00 EUR für eine 20jährige Birke, 15.000,00 EUR für eine 30jährige Buche, 18.000,00 EUR für eine 30jährige Blaufichte, 15.000,00 EUR für eine 80jährige Rosskastanie.
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Sportunfall

Frage:
Ich kehre gerade aus meinem Skiurlaub zurück. Dort hatte ich einen schlimmen Unfall, weil ein Skianfänger beim Fahren die Kontrolle verloren hat und mich umfuhr. Ich musste mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert werden, erlitt einen Oberschenkelhalsbruch und bin seitdem arbeitsunfähig geschrieben. Kann ich Schadenersatz verlangen?

Antwort:
Da das Skifahren nicht unerhebliche Risiken birgt, gibt es die Verhaltensregeln für Skifahrer, Langläufer und Snowboarder (FIS-Regeln). Danach muss jeder Skifahrer kontrolliert fahren, das heißt angepasst seinem Können, dem Gelände, der Schneebeschaffenheit, den Witterungsverhältnissen und dem Vorhandensein anderer Personen. Wer hiergegen verstößt, typischerweise zu schnell fährt oder sich überfordert, hat den dadurch entstandenen Schaden zu ersetzen. Sie können deshalb den Unfallverursacher in Anspruch nehmen. Ihr Schmerzensgeldanspruch dürfte bei ca. 7.500,00 EUR liegen. Hinzu kommen Ihre sonstigen Schäden.
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Schnee- und Glatteisunfälle

Frage:
Als ich mit meinem Fahrrad zur Arbeit fuhr, prallte ich gegen eine vorher nicht zu sehende Unebenheit. Es handelte sich um einen etwa 8 cm über der Fahrbahn stehenden Gullydeckel, der durch Schnee und Eis bedeckt war. Ich kam zu Sturz und zog mir schmerzhafte Verletzungen zu. Was kann ich tun?

Antwort:
Schadenersatzansprüche nach einem Schnee- oder Glatteisunfall beschäftigen regelmäßig die Gerichte. Für innerörtliche Straßen, Fuß- und Radwege sind die Gemeinden verkehrssicherungspflichtig. Sie haben zu räumen und zu streuen. Für den Bürgersteig übertragen die Gemeinden die Streupflicht meist auf die anliegenden Grundstückseigentümer; der Eigentümer überträgt die Pflicht häufig auf seinen Mieter.
Zunächst ist also zu klären, wer fürs Streuen und Räumen verantwortlich war.

Weiter ist zu klären, ob die Pflicht verletzt wurde. Dafür kommt es auf die konkreten Umstände des Einzelfalls an: Um wie viel Uhr kam es zum Sturz? Handelt es sich um eine belebte oder abgelegene Stelle? Wie lange lag bereits der Schnee usw.?
Das Wichtigste bei einem solchen Unfall ist, durch Fotos und Zeugen die konkrete Unfallörtlichkeit nachweisen zu können.
In Ihrem Fall spricht alles dafür, dass die Gemeinde es versäumt hat, Ihren Arbeitsweg zu räumen und zu streuen, weshalb diese Ihnen Schadenersatz und Schmerzensgeld zu leisten hat.
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Unfallneurose

Frage:
Bei einem Verkehrsunfall erlitt ich ein HWS-Syndrom (Hals-Wirbel-Schleudertrauma). Seitdem leide ich über ein Jahr an qualvollen Schmerzen und bin für Haushalt und Kinderbetreuung auf fremde Hilfe angewiesen. An eine Berufstätigkeit ist wegen der Schmerzen nicht zu denken.
Die gegnerische Haftpflichtversicherung weigert sich, den mir dadurch entstandenen Schaden zu ersetzen. Sie behauptet, ich hätte eine Rentenneurose.

Antwort:
Der Einwand der Rentenneurose wird häufig erhoben, wenn aus einem geringfügigen Schadenereignis ein hoher Schaden geltend gemacht wird.
Der Gegner behauptet, der Unfall werde zum Anlass genommen, sich den Belastungen des Erwerbslebens zu entziehen. Der Geschädigte flüchte sich in die Rente, um nicht mehr arbeiten zu müssen.
Nach der Rechtsprechung sind an diesem Einwand strenge Anforderungen zu stellen. Grundsätzlich haftet der Unfallverursacher auch für die seelische Reaktion des Verletzten z. B. für auftretende Depression, unfallbedingte Wesensveränderung etc. Selbst bei einer neurotischen Fehlverarbeitung eines HWS-Schleudertraumas hat der Schädiger den gesamten Schaden zu ersetzen, auch wenn das Trauma zu einer langen, unter Umständen lebenslangen Arbeitsunfähigkeit führt, und nach dem Unfall zunächst nur kurzfristige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde.

Sie sollten deshalb Ihre Ansprüche konsequent geltend machen.
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Kinderbetreuungskosten

Frage:
Ich habe mir bei einem Verkehrsunfall das Schlüsselbein gebrochen und muss ein Stützgeschirr tragen. Da ich so nur einen Arm benutzen kann, kann ich meine dreijährige Tochter und meinen einjährigen Sohn nicht versorgen. Teilweise können dies meine Eltern übernehmen, teilweise benötige ich eine Haushaltshilfe. Bekomme ich die Kosten ersetzt? Antwort:
Soweit Sie unfallbedingt Ihrer Kinder nicht versorgen können, haben Sie Anspruch auf Zahlung von Kinderbetreuungskosten. Soweit Sie tatsächliche Kinderbetreuungskosten haben, sind Ihnen diese von der Versicherung zu ersetzen. Soweit Sie sich innerhalb der Familie behelfen, haben Sie Anspruch in Höhe der Nettovergütung für eine Kindererzieherin. Die Kosten dürften bei ca. 2.300,00 EUR/Monat liegen und sind am besten durch Kostenvoranschlag einer (Kinder-) Pflegekraft nachzuweisen.
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Hygiene im Krankenhaus

Frage:
Ich habe mich einer Herz-Operation unterziehen müssen. Zwar ist diese gut verlaufen; ich habe mich jedoch im Krankenhaus mit einem Krankenhauskeim (MRSA) infiziert und leide seitdem an Herzrhythmusstörung, Schwächeanfällen, Depressionen etc. Kann ich das Krankenhaus in Anspruch nehmen?

Antwort:
Die Gefahr, sich bei einem Krankenhausaufenthalt mit MRSA zu infizieren, ist relativ groß. Jährlich erkranken rd. 35.000 Patienten an Krankenhausbakterien, 1.500 Patienten versterben daran. Nicht die Primärerkrankung, sondern die Erkrankung mit einem Bakterium im Krankenhaus verschlimmert dann den Gesundheitszustand des Patienten.
Um die Infizierung soweit möglich zu verhindern, gelten strenge Hygienevorschriften: Dies betrifft die Händehygiene, die Kleiderhygiene, gesonderte Unterbringung von MRSA-Patienten, Raumdesinfektion usw. Kann der Patient beweisen, dass das Krankenhaus die Hygieneregelungen grob verletzt hat, kommt für ihn ein Schadenersatzanspruch in Betracht. So mache ich gerade für meinen Mandanten Schmerzensgeld und Schadenersatz in Höhe von rd. 26.000,00 EUR geltend, weil er konkret belegen kann, dass das Krankenhaus gegen wesentliche Hygieneregelungen verstoßen hat. Da Krankenhauskeime nicht im Einzelnen kontrollierbar sind, führt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nämlich die bloße Infizierung noch nicht zu einem Schadenersatzanspruch. Entscheidend ist der grobe Hygieneverstoß.
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Schmerzensgeld nach Fehler bei OP

Frage:
Ich wurde wegen meiner Hämorrhoiden operiert, was völlig schief ging. Ich litt wochenlang unter entsetzlichen Schmerzen und musste ein zweites Mal operiert werden. Die Ärzte sprechen von „Schicksal“.
Da die erste Operation nicht der ursprünglich vorgesehene Facharzt durchführte, sondern ein Arzt in Ausbildung, überlege ich, Schadenersatz und Schmerzensgeld zu fordern.

Antwort:
"Ich habe gerade in einem vergleichbaren Fall Klage beim Landgericht Erfurt eingereicht.

Nach der Rechtsprechung darf eine Operation nur von einem Facharzt durchgeführt werden. Anfänger müssen deshalb unter Anleitung und Überwachung eines Facharztes stehen, wenn sie operieren. Wird dagegen verstoßen und kommt es nach einer Operation zu Komplikationen, spricht dies dafür, dass dem Anfänger ein Fehler unterlaufen ist. Nicht mehr der Patient hat dann zu beweisen, dass der Arzt einen Fehler  begangen hat, sondern der Arzt hat zu beweisen, dass die Komplikationen nicht auf einem Fehler beruhen. Dies verbessert die Situation des Patienten enorm. Ich fordere deshalb für meine Mandantin 6.000,00 EUR Schmerzensgeld und Ersatz des gesamten Schadens, der ihr entstanden ist."
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Verkehrsunfall im Ausland

Frage:
"Ich habe meinen Urlaub in Spanien verbracht und hatte dort leider einen ärgerlichen Verkehrsunfall. Wie bekomme ich meinen Schaden ersetzt? Was wäre, wenn ich einen Unfall mit einem Spanier hier in Deutschland hätte?"

Antwort:
"Ein Unfall im Ausland kann enorme praktische und rechtliche Probleme aufwerfen. Eine Erleichterung hat die 4. Kraftfahrzeughaftpflicht-Richtlinie erbracht. Danach kann man sich nunmehr bei einem Unfall in einem EU-Land hier in Deutschland an den zuständigen Schadensregulierungsbeauftragten wenden. Dieser hat innerhalb von drei Monaten ein Schadenersatzangebot zu unterbreiten.

Kommt es zu keinem befriedigenden Ergebnis, bleibt es jedoch dabei, dass der Anspruch bei dem im Ausland zuständigen Gericht und in der Regel nach ausländischem Recht geltend gemacht werden muss. Ich arbeite dann mit deutsch sprechenden ausländischen Kollegen zusammen.

Bei einem Unfall im Inland mit ausländischen Beteiligten erfolgt die Schadensregulierung auf der Grundlage des Grüne-Karten-Systems. Diesem gehören heute fast alle europäischen Staaten und mehrere nichteuropäischen Staaten an. Hier sind die Ansprüche an das deutsche Büro Grüne Karte zu richten und können diesem gegenüber auch eingeklagt werden.“
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Vollkasko

Frage:
"Ich bin dummerweise bei Rot über die Ampel gefahren und es kam zu einem Verkehrsunfall. Meine Vollkasko-Versicherung weigert sich nun, den Schaden an meinem Fahrzeug zu bezahlen. Ist das rechtens?"

Antwort:
"Die Frage kann man nicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten. Entscheidend ist, wie es zu Ihrem Rotlichtverstoß kam. Haben Sie vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt, kann sich Ihre Vollkasko-Versicherung auf Leistungsfreiheit berufen. Bei einem Rotlichtverstoß wird zwar regelmäßig grobe Fahrlässigkeit bejaht. War die Ampel jedoch unübersichtlich oder verdeckt, bleibt es bei der Leistungspflicht Ihrer Versicherung. Der Vollkaskoschutz kann auch bei Unfällen verloren gehen, die unter Alkohol und Medikamenten, wegen riskanter Fahrweise z. B. Überholen einer Kolonne, Hantieren mit Gegenständen z. B. Aufhebung einer herunter gefallenen Zigarette, Übermüdung oder nach Ermöglichung des Fahrzeugdiebstahls z. B. Steckenlassen des Fahrzeugschlüssels passiert sind. Entscheidend sind jedoch immer die konkreten Umstände insbesondere, ob das Verhalten noch fahrlässig oder schon grob fahrlässig war.

Bei Ihnen kommt es also darauf an, wie es zum Rotlichtverstoß kam.“
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Mietwagen oder Ersatz Nutzungsausfall

Frage:
"Nach einem Verkehrsunfall muss ich mein Auto reparieren lassen. Ich überlege, für die Dauer einen Mietwagen zu nehmen. Was ist mit den Kosten? Was ist, wenn ich auf eine Anmietung verzichte?"

Antwort:
"Da Sie Ihr Auto nicht nutzen können, hat Ihnen der Schädiger die Kosten für die Anmietung eines gleichwertigen Ersatzfahrzeugs zu ersetzen. Wenn Sie auf die Anmietung verzichten, können Sie meist Zahlung wegen Nutzungsausfall verlangen.

Mieten Sie ein Fahrzeug , heißt es aufpassen, damit Sie nicht auf einem Teil der Kosten sitzen bleiben. Sie müssen Angebote von zwei oder drei Vermietern der Region einholen und grundsätzlich den günstigeren Normaltarif und nicht den teueren Unfallersatztarif wählen. Auch haben Sie sich die ersparte Nutzung des eigenen PKW anrechnen zu lassen, es sei denn, Sie wählen ein Fahrzeug, welches mindestens eine Typenklasse niedriger ist. Der Schädiger hat Ihnen zudem nur die Kosten nach der Schadenquote zu ersetzen.

Verzichten Sie auf einen Mietwagen, können Sie Ihre Haushaltskasse aufbessern. Für die normale Dauer einer Reparatur (5 bis 12 Tage) oder Ersatzbeschaffung (2 bis 3 Wochen) können Sie zwischen 27,00 € und 99,00 €/Tag entsprechend Ihres Fahrzeugstyps geltend machen. Dauert die Reparatur oder die Ersatzbeschaffung  länger, sind möglicherweise schadenmindernde Maßnahmen (z. B. Interimsfahrzeug) geboten.“
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Ansprüche Dritter bei Tötung

Frage:
"Mein Mann ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Was soll ich tun?"

Antwort:
"Trotz Trauer und Aufregung ist die rechtlich wichtigste Maßnahme: So schnell wie möglich einen Rechtsanwalt aufsuchen.   Neben den Ansprüchen als Erbe können nahe Angehörige folgende Forderungen geltend machen:

  • Beerdigungskosten: Darunter fallen Erstanlage der Grabstätte, Grabmal, Feierlichkeiten, Überführungskosten etc.
  • Unterhalt: Im Todesfall haben die Angehörigen Anspruch auf Ersatz des entgangenen Unterhalts. Wird bei einem Unfall der verdienende Ehegatte tödlich verletzt, haben der andere Ehegatte und die Kinder Anspruch auf eine Geldrente. Verstirbt der Ehegatte, der den Haushalt geführt hat, sind die Kosten einer Ersatzkraft zu bezahlen.  Der Ersatzanspruch endet mit Ablauf der mutmaßlichen Lebensdauer des Getöteten oder mit Ende der Unterhaltspflicht z. B. bei Kindern mit Abschluss der Ausbildung. Da die Ermittlung des entgangenen Unterhalts komplizierte rechtliche und versicherungsmathematische Fragen aufwirft und auf der Gegenseite eine überlegene Interessenvertretung (Haftpflichtversicherung) existiert, empfehle ich nachhaltig, einen Anwalt zu beauftragen. Schließlich kann die eigene wirtschaftliche Existenz von der Regelung des Unterhalts abhängen. Und: Unterschreiben Sie nichts ohne rechtlichen Beistand!“
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Geldrente:

Frage:
"Wann kann man von einem Schädiger eine Geldrente verlangen?"

Antwort:
"Bei erheblicher Verletzung von Körper und Gesundheit und dauerhafter Nachteile hat der Schädiger dem Geschädigten Rente zu zahlen wegen

  • Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit (z. B. bei Abbruch Ausbildung)
  • vermehrter Bedürfnisse (z. B. Pflegefall)
  • Schmerzensgeld.

Rente wegen Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit ist zu zahlen, wenn der Verletzte auf Grund der Schädigung dauerhaft Erwerbseinbußen hinzunehmen hat, sei es, dass er seine Ausbildung nicht zu Ende führen oder seinen bisherigen Beruf nicht oder nur im geringen Umfang ausüben kann. Die Rentenzahlung ist bis zum Wegfall der Beeinträchtigung längstens bis zum Eintritt ins Rentenalter zu leisten.
Rente wegen vermehrter Bedürfnisse fällt an, wenn Mehraufwendungen wegen dauernder Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes entstehen. Darunter fallen typischerweise Kosten für Pflegepersonal, verstärkte Verkehrsmittelbenutzung eines Gehbehinderten, Mehraufwand der sorgeberechtigten Eltern für schwerstbehindertes Kind. Die Höhe der Rente richtet sich nach den tatsächlich entstehenden Mehrkosten und muss konkret ermittelt werden. Übernimmt ein Familienmitglied die Pflege, ist der Nettolohn einer Pflegekraft zu ersetzen. Die Rente wegen vermehrter Bedürfnisse ist ggf. bis zum Tode zu leisten.
Ausnahmsweise kommt auch eine Schmerzensgeldrente in Betracht. Bei lebenslangen schweren Dauerschäden, deren sich der Verletzte immer wieder neu und schmerzlich bewusst wird und die auch in Zukunft das körperliche und seelische Wohlbefinden oder die Lebensfreude beeinträchtigen, ist Schmerzensgeld in Form einer angemessenen Rente zu zahlen.“
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Schmerzensgeld:

Frage:
"Man hört immer von gewaltigen Schmerzgeldzahlungen in den USA. Wie hoch ist das Schmerzensgeld eigentlich bei uns?"

Antwort:
"Das Schmerzensgeld in Deutschland ist bei weitem nicht so hoch wie in Amerika. Hier sind 500.000,00 € zzgl. monatliche Rentenzahlung bislang die Obergrenze.
Schmerzensgeld soll erlittenen Nichtvermögensschaden ausgleichen und zur Genugtuung des Geschädigten beitragen. Ein Anspruch entsteht typischerweise bei Körperverletzung, z. B. durch ärztlichen Kunstfehler oder Verkehrsunfall. Die Höhe richtet sich nach dem Einzelfall. Bemessungsgrundlage ist die Schwere der Schädigung, Behandlungsaufwand, Alter, Vermögensverhältnisse, Mitverschulden etc. In der Praxis haben sich Schmerzensgeldtabellen herausgebildet, an denen sich die Gerichte orientieren. Hier einige Beispiele:

  • Bagatellverletzungen, z. B. Schürfungen: zwischen 0,00 € und 300,00 €
  • HWS-Syndrom: einfach 400,00 €, mittelschwer: 1.000,00 €, schwer: 12.000,00 €
  • Schädelfrakturen, z. B. Gehirnerschütterung: 2.000,00 €, Schädelhirntrauma: 5.000,00 € bis 100.000,00 €
  • Bruch Hüftknochen: ab 3.000,00 €
  • Verlust eines Auges: zwischen 13.000,00 € und 90.000,00 €“
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